Lebenslanges Lernen & Grundkompetenzen

«Also lautet ein Beschluss: / Dass der Mensch was lernen muss. / Nicht allein das Abc / Bringt den Menschen in die Höh, / Nicht allein im Schreiben, Lesen / Übt sich ein vernünftig Wesen; / Nicht allein in Rechnungssachen / Soll der Mensch sich Mühe machen; / Sondern auch der Weisheit Lehren / Muss man mit Vergnügen hören.» – Wilhelm Busch, Max und Moritz
 

Der Gedanke des lebenslangen Lernens ist international wegleitend. Der Begriff wurde in den 1960er Jahren von der UNESCO als Bildungsprämisse für Chancengleichheit eingeführt und steht seit der Jahrtausendwende auch für die bildungspolitische Strategie der Europäischen Kommission KOM. Die KOM versteht lebenslanges Lernen als

«alles Lernen während des gesamten Lebens, das der Verbesserung von Wissen, Qualifikationen und Kompetenzen dient und im Rahmen einer persönlichen, bürgergesellschaftlichen, sozialen, bzw. beschäftigungsbezogenen Perspektive erfolgt.» (KOM(2001) 678 endgültig, S. 9)

Im Juni 2000 hat der Europäische Rat die Mitgliedstaaten aufgefordert, in ihren Zuständigkeitsbereichen «kohärente Strategien und praktische Maßnahmen zu erarbeiten, um die lebenslange Weiterbildung für alle zu ermöglichen». (KOM (2001), S. 3). Die Schweiz beteiligt sich als bilateraler Partner an den bildungspolitischen Aktivitäten der EU. Mit dem Bundesgesetz über die Weiterbildung WeBiG erhält das Postulat des lebenslangen Lernens eine gesetzliche Grundlage für die Förderung der Weiterbildung in der Schweiz.

Das WeBiG legt Grundsätze für die nicht-formale Weiterbildung fest, regelt die Finanzhilfe des Bundes und gibt Stossrichtungen für die Erforschung und Entwicklung der Weiterbildung vor. Zudem enthält es unter Art. 13 bis 16 die Spezialgesetzgebung zum Erwerb und Erhalt von Grundkompetenzen bei Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter.

Die Kantone sind vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI eingeladen worden, mit dem Bund eine Leistungsvereinbarung zur «Förderung des Erwerbs und Erhalts Grundkompetenzen Erwachsener» abzuschliessen. Die Bildungsdirektion Zürich hat diese Leistungsvereinbarung unterzeichnet und verpflichtet sich damit, in der Leistungsperiode 2017 bis 2020 die im Grundsatzpapier des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation SBFI und der eidgenössischen Erziehungsdirektorenkonferenz EDK vom November 2016 formulierten Leistungsziele umzusetzen und Voraussetzungen für ein anschliessendes kantonales Programm Grundkompetenzen zu schaffen.

«Um die tatsächliche Gleichstellung zu erreichen sind Fördermassnahmen zu Gunsten von Benachteiligten zulässig». Art. 11 Abs. 5 KV

Kein lebenslanges Lernen ohne Grundkompetenzen: Wer nicht lesen und schreiben, rechnen und die modernen Medien nutzen kann, ist von den Möglichkeiten eines lebenslangen Lernens und einer tatsächlichen Gleichstellung ausgeschlossen. Gemäss der Zürcher Kantonsverfassung ist es Auftrag von Kanton und Gemeinden, für ein Bildungswesen zu sorgen, dass die geistigen, seelischen, sozialen und körperlichen Fähigkeiten des einzelnen Menschen berücksichtigt und fördert (Art. 115 KV). Mit der Grundkompetenzenförderung trägt der Kanton zur Förderung der bildungsschwächsten Personen bei.